Kiew – Moskau

Die Fahrt zum Flughafen ist die mit Abstand billigste und unterhaltsamste die ich je hatte, ich fahre für umgerechnet 50 Cent mit dem Trolleybus Nr. 22 bis zur Endstation. Der Bus ist voll wie eine Honkonger U-Bahn zur Rush Hour, eine kleine dicke Frau quetscht sich durch die Passagiere um die neu zugestiegenen Fahrgäste abzukassieren. Der Fahrer heizt wie blöde, irgendwann kotzt ein Kleinkind einige Leute voll, an einer Haltestelle drängt sich eine ältere Frau nach draußen und schmeisst dabei eine andere ältere Frau aus dem Bus. Die beiden fangen daraufhin eine Schlägerei an und werden von Fahrgästen getrennt. Großes Kino.

Am Flughafen treffe ich Henry, der den gleichen Flug wie ich hat und von Moskau aus zurück nach Hongkong fliegt. Da ich noch 150,- Griwna im Wert von ca. 6,-€ übrig habe und nicht weiss wohin damit, lade ich ihn zum Frühstück ein. Sergei hatte mir erzählt, dass die ukrainische Währung noch vor einem knappen Jahr einen Kurs von 1:4 zum US-Dollar hatte und dann wegen des Krim-Konfliktes innerhalb von 9 Monaten auf 1:25 gefallen ist. Putin wirds freuen.

Der Flug ist mit 1,5 Stunden schnell erledigt und auch die Einreise geht schnell. Ich habe schon wieder Glück mit dem Wetter, denn gerade als wir in Kiew gestartet sind, fing es an zu regnen, als wir in Moskau landen scheinen 1000 Sonnen vom Himmel.

Der Weg zum Hostel ist einfach: ich steige in den Airport-Express-Zug, der mich zur Metrostation Paveletskaya bringt, zweimal umsteigen und ich bin an der Station Smolenskaya, die direkt am Arbat liegt, wo mein Hostel ist. Das zu finden ist dann weniger einfach, wie in Kiew gibt es keinerlei Schilder oder sonstige Hinweise an dem Haus. Nachdem ich ein paarmal um den Block und durch sämtliche Hinterhöfe gelaufen bin, erfahre ich von einer älteren Dame, wo ich klingeln muss und kann dann einchecken. Das Zimmer ist winzig und enthält lediglich einen kleinen Tisch, zwei Klappstühle und ein Hochbett. Das wusste ich aber vorher schon und die zentrale Lage gleicht den Mangel an Komfort aus.

Ich mache heute nur noch einen Spaziergang den Arbat entlang bis zur Kreml-Mauer und zurück, dann esse ich in einem kleinen Restaurant lecker Pelmeni und trinke ein paar russische Biere. Die sind auch nötig um schlafen zu können, ich stelle nämlich fest, dass die Wände im Hostel extrem hellhörig sind und ich muss gegen Mitternacht an die Wand hämmern, um die Gäste im Nachbarzimmer zur Ruhe zu bringen.

Kiew

Nach drei Tagen mit verfallenen Gebäuden und Raketen freue ich mich, mir heute mal zur Abwechslung ein paar schöne Dinge anzuschauen. Durch die nicht eingeplante Tour gestern bleibt mir nur ein einziger Tag in Kiew zum Sightseeing, dazu bin ich erkältet und generell ziemlich platt, vielleicht schon erste Anzeichen der Strahlenkrankheit. Oder es liegt daran, dass ich wegen der dämlichen ukrainischen Moskitos die halbe Nacht nicht geschlafen hab. Ich raffe mich trotzdem um 8:30h auf, steige in die U-Bahn und fahre Richtung Majdan-Platz. Die Metro in Kiew liegt sowjet-Style extrem tief, so dass man jedesmal eine gefühlte Ewigkeit mit der Rolltreppe nach unten oder oben fahren muss. Ich beschliesse, kurze Strecken zu Fuß zu gehen.

Erstes Ziel ist wie gesagt der Majdan, bekannt seit der sog. Orangen Revolution im Jahre 2004. Das Wetter ist extrem schön, erinnert mich allerdings an Neuseeland, in der Art, dass einem die Sonne die Haut wegbrennt, aber sobald sich nur ein klitzekleines Wölkchen davor schiebt, man am liebsten Schal und Handschuhe tragen würde. Ich bin also den halben Tag damit beschäftigt, mich an- und auszuziehen.

Irgendwann fällt mir auf, dass heute Montag ist, was bedeutet, dass sämtliche Museen geschlossen sind. Das verkürzt meine Liste extrem, weswegen ich erstmal in einem Cafe einen Frühschoppen einnehme und danach zwei Gänge zurückschalte. Nächstes Ziel ist die Statue der Mutter Heimat, in deren Sockel sich eine Ausstellung zum großen Vaterländischen Krieg befindet. Das gilt offensichtlich nicht als Museum und ist geöffnet. Der Weg dahin ist beschwerlich, ich hatte mir auf Google Maps eine tolle Strecke entlang des Flusses Dnepr rausgesucht, komme aber nicht auf die richtige Seite, so dass ich geschätzt 3 km entlang einer Autobahn marschiere.

Die Statue ist beeindruckend, die Ausstellung ziemlich gut, leider nur auf Ukrainisch beschriftet. Dafür ist der Rückweg angenehmer, er führt mich durch einen großen Park, an mehreren ausgestellten Panzern und einem Volksfest vorbei. Ich besuche das Höhlenkloster, was allerdings nicht wirklich beeindruckt. Es gibt ein Labyrinth aus dunklen Gängen und verschiedenen Kammern, in denen die Mumien irgendwelcher Heiliger aufgebart sind, die von den Gläubigen geküsst werden. Die Gebäude selbst sind natürlich prunkvoll, es ist halt wie überall auf der Welt: Egal ob das Volk verhungert, für die Pfaffen und ihre Paläste ist immer genug Geld übrig. Immerhin: bei den Orthodoxen ist es offensichtlich üblich, dass sich die Popen weder rasieren, noch die Haare schneiden, so dass die alle aussehen, als würden sie in einer Viking-Metal Band spielen. Rock’n’Roll.

Mittlerweile ist es Nachmittag und ich bin so platt, dass ich zurück zum Hostel marschiere, ins Bett falle und sofort einschlafe. Ich wache gegen Abend auf und beschliesse, im Hostel zu bleiben und mich auszuruhen, damit ich morgen für Moskau fit bin.

Raketenbasis Pervomaisk

Da ich von der Tschernobyl-Tour mehr  als begeistert bin, lasse ich mich von Dominik gerne überreden, an dieser zusätzlichen Tour teilzunehmen. Außer mir sind noch Henry und die beiden Slowaken mit dabei, dazu wieder Kolja als Fahrer und Dominik. Was ich allerdings nicht wusste ist, dass die Raketenbasis sich etwa auf halber Strecke zwischen Kiew und Odessa befindet, wir also fast 3,5 Stunden im Auto sitzen, von denen ich bestimmt die Hälfte verschlafe, letzte Nacht haben mich wieder die Moskitos genervt.

Das Wetter ist mies, es regnet und es ist saukalt, wir hatten in Tschernobyl ziemliches Glück. Irgendwann kommen wir an und werden von einer jungen Führerin empfangen, die ausgezeichnetes Englisch spricht.  Zuerst erfahren wir in dem überirdischen Teil der Anlage etwas über die  Geschichte und die verwendete Technik. Bis zum Ende der Sowjetunion waren hier ein gutes Dutzend Silo-basierter Interkontinentalraketen in Bereitschaft, welche Ziele anvisiert waren, wussten die dort stationierten Soldaten nicht. Die Kommandozentrale war ebenfalls in einem unterirdischen Silo eingerichtet, dazu gibt es überirdisch extreme Sicherheitseinrichtungen mit Sensoren und Elektrozäunen, ausserdem Einrichtungen zur Versorgung der Anlage. So wurden z.B. die Silos mit Eis gekühlt, damit die amerikanischen Satelliten die Anlage nicht anhand des thermischen Fingerabdrucks erkennen konnten. Unglaublich. Dementsprechend hoch war der Energiebedarf.

Im Laufe der Jahre enthielten die Silos verschiedene Raketen, zuletzt den Typ SS-18, von den Amerikanern wegen der schwarzen Farbe ‚Satan‘ genannt. Dies sind die größten während des Kalten Krieges in Betrieb gestellten Interkontinentalraketen, sie konnten bis zu 10 MIRV-Sprengköpfe zu je 2 Megatonnen Sprengkraft über 11.000 km transportieren. Eine einzelne dieser Raketen hatte damit eine Sprengkraft von 20 Megatonnen, das ist mehr als 1.500 mal Hiroshima. Und Russland hatte insgesamt 2.700 davon.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blieb die  Ukraine auf einem Teil davon sitzen, in den 90ern verpflichtete man sich, die Waffen zu demontieren, was mittlerweile komplett erledigt  ist. Bezahlt hat das zum größten Teil die USA.

Nach den sehr guten und ausführlichen Erklärungen gehen wir nach draußen, wo wir diverse Raketen, Fahrzeuge zum Transport dieser, Panzer und sonstiges Militärmaterial sehen. Wir erfahren mehr über das Sicherheitssystem und sehen in einem der Versorgungsgebäude gigantische Kühler, die das erwähnte Eis produzierten. Auf den zeitgenössischen Landkarten war die Anlage übrigens als Kindererholungsheim markiert. Da sage einer, die Sowjets hätten keinen Humor gehabt.

Schliesslich geht es durch einen langen Tunnel in das Herz der Anlage, das Kontroll-Silo. Wir müssen durch zwei 30cm dicke Stahltüren und fahren dann mit einem winzigen Aufzug nach unten. Die Kommandoeinheit besteht aus 13 Stockwerken, von denen die oberen 11 Technik enthalten, dann kommt der Kommandostand und darunter ein Aufenthaltsraum mit zwei Betten, einer Toilette und einer winzigen Küche. Durchmesser des Silos geschätzt 3 Meter. Es hatten immer zwei Offiziere Dienst, die sich am Kommandostand abwechselten. Wer am Drücker saß musste während des gesamten 6stündigen Dienstes alle 7 Sekunden eine bestimmte Startsequenz durchführen (Knopf drücken und Schlüssel drehen), so wurden die Soldaten programmiert, auch im Ernstfall ganz automatisch die  Raketen zu starten.

Wir dürfen dann auch mal auf den Sitz und starten so simuliert 10 Raketen, die geschätzt halb Europa in eine Wüste verwandelt hätten. Kein schönes Gefühl. Danach futtern wir noch einen Topf Flusskrebse, die Dominik mitgebracht hat und machen uns auf den Rückweg.

Die tatsächliche Tour hat nur knapp 2 Stunden gedauert, trotzdem hat sich die weite Anfahrt gelohnt, soweit ich weiss, ist diese Anlage die einzige ihrer Art weltweit. Kalter Krieg aus erster Hand.

Tschernobyl 2

Nach dem (reichlichen) Frühstück fahren wir wieder in die 10km-Zone. Der erste Programmpunkt ist etwas zwiespältig, wir besuchen ein altes Ehepaar, die knapp zwei Jahre nach der Katastrophe illegal in ihr altes Haus zurückgekehrt sind und seitdem ununterbrochen dort leben. Die Regierung  duldet diese Leute und seit einigen Jahren haben sie auch offiziell die Erlaubnis, sich dauerhaft in der Zone aufzuhalten, so bekommen sie wenigstens eine Rente und werden zumindest notdürftig medizinisch versorgt.

Nun ist es für die beiden über 70jährigen natürlich ein großes Glück, dass der Kontakt zu Dominik besteht, denn so erhalten sie regelmässig Spenden von den Touristen und sie werden von Dominik und seinen Leuten mit Medikamenten und Lebensmittel versorgt. Der Besuch hat allerdings mehr was von einem Menschenzoo und ich fühle mich extrem unwohl dabei. Die alte Frau ist sehr zurückhaltend, ihr Mann freut sich aber offensichtlich über die Gesellschaft und redet am Stück ohne Punkt und Komma. Er war in den 80ern bei der Sicherheit des Kraftwerks beschäftigt und erzählt uns, wie er sich sämtliche Materialien, aus denen er ihr Haus gebaut hat, aus Kraftwerksbeständen zusammengeklaut hat.

Darüber, wie die beiden den Tag des Unglücks erlebt haben, erzählt er nichts. Ja, es sei  schon recht einsam alleine, aber dafür leben sie in ihrer Heimat in ihrem eigenen Haus, ausserdem komme der Sohn regelmässig zu Besuch und da seien ja auch noch die Touristen. Er führt uns rum, zeigt uns stolz ihr Schwein, welches vor Wonne die Augen schliesst und vor sich hin grunzt, als ich ihm den Rüssel kraule, sein 40 Jahre altes Auto, den Hühnerstall usw. Alle Gebäude hat er selbst errichtet. Zur Zeit macht ihm sein Bein Probleme, deswegen kann er nicht so arbeiten wie er möchte und ist nicht ausgelastet, weswegen er seiner Frau auf die Nerven geht.

Ich bin sehr beeindruckt und organisiere eine Sammlung, damit die Gruppe den beiden eine ordentliche Spende dalassen kann. Einer der beiden Slowaken nervt, indem er die zwei permanent fotografiert und keine Probleme damit hat, das Objektiv 20cm vor die Gesichter zu halten. Ich ärgere mich im Nachhinein, dass ich nichts gesagt habe.

Nach einem kurzen Stop bei einer Feuerwehrstation fahren wir etwa 20km weiter zu einem weiteren Highlight. Es ist bekannt, dass die Stadt Prypiat Ende der 60er Jahre gemeinsam mit dem Kraftwerkskomplex neu errichtet wurde, weniger bekannt ist die Tatsache, dass gleichzeitig etwa 6km südwestlich vom Kraftwerk eine geheime militärische Anlage namens Tschernobyl-2 gebaut wurde. Es handelt sich dabei um den Sender eines Überhorizontradars, der Empfänger war etwa 60km entfernt aufgebaut. Es wurde ein extrem leistungsstarkes kurzfrequentes Signal ausgesandt, welches, von der Ionosphäre reflektiert, einmal um den Erdball kreiste und dann vom Empfänger aufgenommen wurde. Damit sollten amerikanische Raketenbasen überwacht werden, was während der gesamten Betriebszeit von 1976 bis 1989 nie richtig funktioniert hat. Das Projekt trug den Namen Duga-3, im Westen auch ‚Moscow Eye‘ benannt. die Sendeanlage, die wir besuchen, verbrauchte bis zu 30% der gesamten Leistung des Kernkraftwerkes. Da das Signal mit einem charakteristischen Hämmern den sonstigen Funkverkehr störte, wurde es unter Amateurfunkern auch ‚Russian Woodpecker‚ genannt.

Die beiden Antennen-Arrays haben zusammen eine Länge von fast einem Kilometer(!) und eine maximale Höhe von mehr als 150m. Dazu wurde eine eigene kleine Stadt für die dort beschäftigten Soldaten und Techniker gebaut. Interessantes Detail: die Anlage war bis 1989 in Betrieb, also noch volle drei Jahre nach dem Unglück, während derer die Menschen vor Ort der Strahlung ausgesetzt waren.

Später fahren wir nochmal nach Prypiat, wo wir ein großes Schwimmbad und eine Polizeistation sehen, dann steigen wir 17 Stockwerke auf das Dach eines Mietshauses, von wo wir einen Blick auf das Kraftwerk haben. Das Mittagessen wird uns dann in der Kantine des Kraftwerkes serviert, es gibt, wer hätte das gedacht, paniertes Hähnchenschnitzel mit Kartoffelpüree. Wir nehmen aus der Kantine Brot mit und füttern damit die radioaktiven Fische in einem der Kühlteiche, dann  fahren wir zu einem Platz, an dem ein Mahnmal für die Opfer der Katastrophe steht.

Wir sind jetzt geschätzt 100m vom Block 4 und 30m vom neuen Sarkophag entfernt. Natürlich nutzen wir die Gelegenheit zum Fotografieren, näher werden wir nicht rankommen. Die Geigerzähler messen erhöhte Werte, der alte Sarkophag ist ziemlich löchrig geworden. Hier machen wir noch ein Gruppenfoto und damit endet auch offiziell unsere Tour. Dominik hat aber noch einen zusätzlichen Ausflug für uns, wir fahren einige Kilometer ausserhalb der 10km-Zone zu einem Autofriedhof, wo alle möglichen Fahrzeuge, die während der Beseitigung der Unfallfolgen eingesetzt wurden, abgestellt sind. Abgestellt bedeutet hier, dass man einen riesigen Schrottplatz einfach in den Wald gesetzt hat. Während wir zwischen dem Schrott rumlaufen erscheinen zwei schlecht gelaunte Polizisten, die wissen wollen was wir hier machen und Papiere sehen wollen. Sergei sammelt unsere Pässe ein und verschwindet. Nach ein paar Minuten kommt der Chef der Polizisten angefahren und grinst als er Sergei sieht, die beiden kennen sich. Wir müssen lediglich einzeln antreten und unsere Pässe entgegen nehmen, dann dürfen wir fahren.

Nach 2,5 Stunden kommen wir wieder in Kiew an, ich verabschiede mich, nicht aber von Dominik, ich habe nämlich für morgen eine weitere Tour gebucht, zu einer unterirdischen russischen Raketenstation.

Tschernobyl 1

Der Tag fängt großartig an, ich verschlafe nämlich und wache um 7:25h auf, um 8h muss ich am Treffpunkt sein. Ungewaschen und ohne Frühstück schlage ich Punkt 8 auf und stelle fest, dass außer Dominik, dem Veranstalter, noch kein Mensch da ist. Nach und nach trudeln dann die Teilnehmer ein, Daniel und Steven, zwei Exil-(Ost)Deutsche, die in der Schweiz leben, ein Trupp Schweden, ein Franzose, ein Hongkong-Chinese namens Henry und zwei Slowaken, deren Namen ich während der kompletten Tour nicht erfahre. Dazu kommen noch unser Fahrer Kolja und der Reiseführer Sergei. Kolja spricht kein Wort, Dominik und Sergei sind extrem sympathisch, allerdings wird sich Sergei im Laufe der Tour mit einer bestimmten Aussage komplett disqualifizieren, dazu später mehr.

Nachdem alles Gepäck in dem etwas betagten Sprinter verstaut ist und alle bezahlt haben, fahren wir los Richtung Norden. Unterwegs stellt uns Sergei nochmal die Sicherheitsanweisungen vor, die wir im Vorfeld alle schon per Mail erhalten und bestätigt haben. Innerhalb der Zone ist es unter anderem verboten:

  • im Freien zu Essen oder zu Rauchen
  • T-Shirts oder kurze Hosen zu tragen
  • offene Schuhe zu tragen
  • sich irgendwo hinzusetzen
  • jegliche Gegenstände abzulegen
  • etc. etc.

Dass diese Vorschriften sehr lasch interpretiert werden, oder vielmehr dass sich kein Mensch dran hält, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir fahren dann knapp zwei Stunden, während derer wir auf dem Bordfernseher eine Doku über das Reaktorunglück sehen, die zwar ziemlich gut ist, ich aber schon kenne. Hier ein Link zur deutschen Version. Dann kommen wir zum ersten Checkpoint.

Die Sicherheitszone selbst ist wiederum in zwei Bereiche geteilt, einen inneren 10km-Ring um das Kraftwerk und einen 30km-Ring. Diesen äußeren Ring passieren wir jetzt. Wir halten an, alle müssen aussteigen und im Gänsemarsch durch eine Art Drehkreuz, vorher werden unsere Pässe kontrolliert. Das sieht alles sehr nach Krieg aus, eine Schranke, Sandsäcke, Soldaten in Uniform mit Maschinenpistolen bewaffnet, allerdings sind die alle sehr freundlich und machen sich über einige unserer Passfotos lustig.

Unser erstes Ziel ist die Stadt Tschernobyl, die innerhalb der 30km-Zone liegt. Tatsächlich liegt das Kraftwerk nahe der Stadt Prypiat, da aber Tschernobyl auch der Name des Bezirkes war/ist, wurde das Werk danach benannt. In Tschernobyl lebten vor dem Unglück ca. 15.000 Menschen, heute sind es immerhin knapp 3.000. Zum größten Teil sind das Arbeiter vom Kraftwerk, Soldaten und Verwaltungsbeamte und ein Handvoll Angestellte der wenigen Hotels. In einem davon, einen richtigen Namen hat es nicht, checken wir dann ein. Die Zimmer sind besser als erwartet, ich bekomme ein einzelnes, muss mir das Bad mit Daniel und Steven teilen, was aber kein Problem ist.

Nachdem alle eingecheckt sind machen wir uns sofort auf den Weg zum ersten Ziel, eine Art Mahnmal für die Opfer der umliegenden Gemeinden. Mittelpunkt ist eine Metallskulptur, die einen Engel mit einer Posaune darstellt. Hintergrund ist folgender: in der Apokalypse des Johannes erscheinen mehrere Engel, die eine Posaune blasen, woraufhin diverse Katastrophen passieren, die das nahende Ende verkünden:

Der dritte Engel blies seine Posaune. Da fiel ein großer Stern vom Himmel; er loderte wie eine Fackel und fiel auf ein Drittel der Flüsse und auf die Quellen.
Der Name des Sterns ist «Wermut». Ein Drittel des Wassers wurde bitter und viele Menschen starben durch das Wasser, weil es bitter geworden war.

Chornobyl, der ukrainische Name von Tschernobyl, bedeutet ‘Wermut’. Und weil durch das Unglück unter anderem auch die Flüsse und Seen der Umgebung verseucht wurden, ziehen die gläubigen Ukrainer eben diese Parallele.
Die Statue steht auf einer stilisierten Karte der Zone, dazu gibt es eine Reihe von Schildern mit Namen von bei der Katastrophe umgekommen Bewohnern, die im Stil von Ortsschildern gestaltet sind: auf der Rückseite ist der Name rot durchgestrichen.

Es folgt eine Kirche, die einzig erhaltene in der Stadt, die von den Bewohnern in Schuss gehalten wird, ein Rundgang um ein ehemaliges Hafengebiet und zuletzt besuchen wir eine Feuerwehrstation. Auf dem Hof sind einige obskure Roboter ausgestellt, mit denen direkt nach dem Unglück versucht wurde, den radioaktiven Schutt zu räumen. Es stellte sich recht schnell heraus, dass sämtliche Geräte wegen der Strahlung versagten, weswegen man dann Menschen einsetzte, die Liquidatoren, die zynisch ‘Biorobots’ genannt werden.

Dann gehts zurück ins Hotel zum Mittagessen. Wir bekommen Suppe, Krautsalat und ein paniertes Hähnchenschnitzel mit Kartoffelpüree, als Nachtisch Blätterteiggebäck mit einer extrem süßen Mohnfüllung. Alles ziemlich lecker. Nach dem Essen fahren wir etwas weiter in die Zone, befinden uns aber immer noch ausserhalb des 10km-Bereichs. Wir sehen den ersten von unzähligen Lost Places (eigentlich ist die ganze Zone ein einziger riesiger Lost Place), einen Kindergarten. Hier befindet sich auch einer der unzähligen Hotspots. Was ich nicht wusste ist, dass diese räumlich so begrenzt sind, dass man 30cm davon entfernt mit dem Geigerzähler eine Strahlung misst, die sich von der gewöhnlichen Hintergrundstrahlung kaum unterscheidet, diese sich dann aber innerhalb kürzester Distanz auf das mehrere Tausendfache erhöht. Ungefährlich wenn man sich ihr nur kurze Zeit aussetzt, aber trotzdem gruselig.

Weiter gehts zu zwei Seen, die den Blöcken 1 bis 4 des Kraftwerks als Kühlwasser-Reservoir dienten. Diese befinden sich innerhalb der 10km-Zone, wir müssen also durch einen weiteren Checkpoint, wo Fotografieren strengstens verboten ist. Bei den Seen befindet sich eine Fischfarm. Nach dem Unglück wurde diese zu Studienzwecken weiter genutzt, man wollte nämlich erforschen, inwieweit sich der Verzehr der strahlenbelasteten Fische auf den Organismus auswirkt. Dazu wurde zusätzlich noch eine weitere Farm angelegt, auf der Versuchstiere lebten, denen die verstrahlten Fische verfüttert wurden.

Nach einer Begegnung mit vier lustigen Hundewelpen besichtigen wir einen nicht fertiggestellten Kühlturm, er war für die ursprünglich geplanten Blöcke 5 und 6 vorgesehen, danach fahren wir zum ersten Mal an dem Kraftwerkskomplex und dem fast fertiggestellten neuen Sarkophag vorbei. Morgen werden wir das alles noch aus geringerer Entfernung sehen.

Schliesslich fahren wir in die Stadt Prypiat, hier lebte der größte Teil der Arbeiter des Kraftwerkes mit ihren Familien. Die Stadt hatte zum Zeitpunkt des Unfalls knapp 50.000 Einwohner, heute sind es genau 0. Direkt am Ortseingang befindet sich ein Gebiet, das als ‘Red Forest’ bekannt ist. Dort stand zum Zeitpunkt der Katastrophe ein Wald, der, direkt in der Windrichtung gelegen, die volle Dosis der radioaktiven Wolke abbekam. Innerhalb kürzester Zeit starben sämtliche Bäume ab und die Überreste nahmen eine rötliche Färbung an. Heute stehen dort neu gewachsene Bäume und obwohl alles sehr gesund und harmlos aussieht, darf man das Gebiet nicht betreten und die Geigerzähler spielen verrückt, wenn man zu nahe rangeht.
Auch wenn in der Stadt natürlich alles von Wert im Laufe der Jahre aus den Überresten geplündert wurde, gibt es noch genügend Eindrucksvolles zu sehen, wir halten uns dort etwa 2,5 Stunden auf und sehen unter anderem: die Post, das Haus der Kulturen, das Sportstadion, den Freizeitpark mit dem berühmten Riesenrad, einen Kindergarten, eine Schule, ein Cafe, usw. usw.

Mit der Sicherheit nehmen es unsere Führer selbst nicht so genau, so laufen sie im T-Shirt rum, meinen Trinken und Rauchen im Freien sei vollkommen ok und vor allem lassen sie uns in Gebäude reingehen, obwohl gerade das strengstens untersagt ist. Nicht wegen der Strahlung, sondern weil alles extrem baufällig ist und überall Schrott, Glasscherben und anderes Zeug rumliegt. Wir sehen an diesem Tag lediglich eine andere Gruppe, die machen das genauso. Dominik meint nur, wir sollen halt aufpassen dass keiner irgendwo runterfällt und falls wir irgendwo Polizei oder Militär sehen unauffällig die Gebäude verlassen.

Innerhalb der Gebäude ist alles voller Trümmer und Schrott, das sieht schlimmer aus als bei ‘The Walking Dead’, ausserhalb allerdings macht die Stadt, auch bedingt durch das tolle Wetter, einen eher harmlosen, verwunschenen Eindruck. Eine seltsame, aber eben nicht unangenehme Atmosphäre. In manchen der besuchten Gebäude finden wir dann aber immer wieder Szenen vor, die uns schlucken lassen, z.B. herumliegende Kinderschuhe, einen riesigen Haufen Gasmasken, etc.

Irgendwann bekomme ich ein Gespräch zwischen Sergei und Dominik mit, ich weiss nicht wie sie auf das Thema gekommen sind, jedenfalls geht es um Schwule. Sergei haut dann so nebenher raus, dass er, wenn er zwei Männer beim Küssen sehen würde, die beiden sofort attackieren würde. Als ich ihn ganz höflich frage, ob er noch alle Tassen im Schrank hat, rudert er sofort zurück, nein, natürlich würde er niemals Gewalt anwenden, aber er kann Schwule halt nicht ab und Homosexualität sei bei den Ukrainern generell nicht sonderlich beliebt. Danach weicht er aus und auf weitere Diskussionen will er sich nicht einlassen. Ich versuche später noch ein paar mal zu sticheln, etwa als Dominik und einer der Slowaken ein Foto machen und sich dabei umarmen, er geht aber nicht darauf ein. Ich mache mir eine geistige Notiz, Sergei am Ende der Tour kein Trinkgeld zu geben.

Wir verlassen dann Prypiat und fahren zurück zum Hotel. Als wir die 10km-Zone verlassen, müssen wir alle eine seltsame Apparatur passieren, die uns angeblich nach Strahlung checkt. Wir bekommen alle ein ‘OK’ und ich bin mir mit Henry, mit dem ich mich sehr gut verstehe, einig, dass das sicher nur zur Beruhigung der Touristen dient und nicht wirklich irgendwas misst.

Im Hotel wird dann Abendessen serviert, bestehend aus paniertem Hähnchenschnitzel und Reis. Danach rücken wir die Tische zusammen und bestellen Bier. Die Schweden machen ihrem Land Ehre, sie trinken nämlich alle wie die Fische und vernichten Unmengen von Snus. Wir haben jede Menge Spass und das Bier ist billig, zum Glück macht in Tschernobyl alles um 22h dicht, so dass wir dann noch relativ nüchtern ins Bett kommen.

Berlin – Kiew

Die Reise beginnt, wie das hier halt so üblich ist, mit einer ausgefallenen S-Bahn. Ich komme trotzdem rechtzeitig an und rase in Rekordzeit durch Checkin, Handgepäck-Scan und Passkontrolle, weil ich nirgendwo anstehen muss. Keine Sau will nach Kiew.

Der Flieger ist aber dann doch fast voll, der gleiche Typ wie 2012, als ich über Kiew nach Tel Aviv geflogen bin. Drei Stunden dauert der Flug und die Einreise ist in gerade mal 5 Minuten erledigt. Ich wehre eine Traube aufdringlicher Taxifahrer ab und finde gleich den Sky-Bus, der mich in ca. 45 Minuten zum Zentralen Bahnhof bringt. Von dort laufe ich etwa 15 Minuten zu meinem Hostel.

Ich habe dann allerdings Schwierigkeiten, den Laden zu finden, da nirgendwo ein Schild angebracht ist. Nach einigem Wirrwarr finde ich das Hostel, das sich im dritten Stock eines gewöhnlichen Mietshauses befindet. Es handelt sich um eine normale, wenn auch für Ost-Verhältnisse recht  große, Wohnung. Es gibt 4 Zimmer, ein Bad mit Dusche und WC und eine Küche. Die Wirtin lebt mit ihrer Tochter in einem Raum, der vom Flur lediglich durch einen Vorhang abgetrennt ist.

Man spricht kein Wort Englisch, aber mit Händen und Füssen klappt die Verständigung, die beiden sind extrem nett und fast schon zu sehr bemüht, alles recht zu machen. Ich schaffe nur noch einen kurzen Spaziergang und gehe dann in einen Supermarkt um die Ecke, wo ich mir seltsame Dinge und ein paar Bier zum Abendessen kaufe und falle irgendwann ins Bett. Morgen muss ich wieder auschecken und bereits um 8h am Bahnhof sein, dort ist Treffpunkt für die Tschernobyl-Tour.

übermorgen gehts los

Letztens schreibe ich noch, dass mir ausser gebrochenen Knochen nicht mehr viel dazwischenkommen kann, vorige Woche lege ich mich doch glatt mit dem Motorrad auf die Schnauze. Zu meinem großen Glück habe ich lediglich ein paar Schrammen und blaue Flecken abbekommen, das Motorrad leider etwas mehr, damit will ich mich aber erst beschäftigen wenn ich wieder zurück bin.

Ich stelle fest, dass ich meine Planung mit jeder weiteren Reise weniger ernst nehme, heute abend fällt mir ein, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, mal Wäsche zu waschen. Packen kann ich also erst morgen abend. Immerhin habe ich sämtliche Papiere fertig, ich habe mir letzte Woche noch online ein Ticket für den Katharinenpalast (der mit dem Bernsteinzimmer) in St. Petersburg besorgt.

Der Veranstalter der Tschernobyl-Tour hat nochmal eine Mail mit Informationen geschickt und darin empfehlen sie dringend, ein gesondertes Paar Schuhe und Klamotten mitzubringen. Sehr vertrauenserweckend. Auf meine Frage, ob man das Extrazeug danach wegschmeissen soll, kam die lapidare Antwort nein, waschen reicht aus. Da ich keine Lust habe, danach mit nassen Schuhen rumzulaufen, packe ich ein paar alte Turnschuhe mit ein, die ich dann vor Ort entsorgen werde.

Ich bin ja naturwissenschaftlich einigermassen gebildet, d.h. ich werde nicht gleich hysterisch, wenn jemand ‚Atom‘ oder ‚Strahlung‘ sagt und ich denke, ich kann die Gefahren eines Aufenthalts in Tschernobyl realistisch einschätzen (genaugenommen halte ich die Aktion für harmlos, sonst würde ich es nicht machen). Trotzdem gibt es natürlich Risiken und da ich nicht weiss, wo z.B. die Hotspots liegen, muss ich mich wohl oder übel auf die Angaben der Leute vor Ort verlassen. Die Regeln für den Aufenthalt (nicht im Freien essen oder rauchen, sich nirgendwo hinsetzen, nichts anfassen, keine Gegenstände irgendwo ablegen, usw usw) machen mehr als deutlich, dass das keine Kaffeefahrt wird.

Das alles trägt dazu bei, dass ich trotz meines Laienwissens über Kernphysik und über die Folgen des Unfalls ein mulmiges Gefühl habe, was sicher vor Ort noch verstärkt wird. Es ist interessant, dass ich vor dieser Gefahr, die man nicht sehen, riechen, oder sonstwie wahrnehmen kann, wesentlich mehr Respekt habe, als bei einem offensichtlicheren Risiko, wie z.B. beim Tauchen. Gekniffen wird trotzdem nicht.

Die Website des Veranstalters macht für meine Tour aktuell die Angabe ’18/20′, wobei ich nicht weiss, ob das jetzt bedeutet, dass es noch 18 freie Plätze gibt, oder ob es 18 Teilnehmer sind. Ersteres wäre super, das wäre dann fast eine private Tour!
Ich hab übrigens ein paar Fotos von dem Hotel gefunden, in dem wir vermutlich unsere Nacht verbringen werden, schön ostig:

Update vom 29.04.:
Heute Morgen höre ich in den Nachrichten von den Waldbränden um Tschernobyl, denke ich sitz im falschen Film und sehe mich schon frustriert in Kiew sitzen. Im Laufe des Vormittags erreicht mich dann aber eine Mail vom Veranstalter, der versichert, das sei alles wesentlich harmloser als in der Presse dargestellt und unser Trip fände in jedem Fall statt.

Ukraine / Russland – Vorbereitungen

Vorgestern ist mein Pass mit dem Russland-Visum drin angekommen, das hat gerade mal eine Woche gedauert, vielen Dank König Tours! Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, es sei denn ich breche mir die Knochen oder Zar Vladimir beschliesst einen Ukraine-Feldzug.

Es war erwartungsgemäss schwierig, meine Wunschlisten so zu verkleinern, dass das alles in den Zeitrahmen passt, das ist der vorläufige Plan:

Kiew:

Moskau:

St. Petersburg

 

jetzt weiss ich auch, wie mein Name in kyrillischer Schrift aussieht:

Фольер  Бюхлер

Ich bin sowieso gespannt, wie es mit der Verständigung klappt, mein gesamter russischer Wortschatz besteht aus ‚Ja‘, ‚Nein‘, ‚Danke‘, ‚Guten Tag‘, ‚Auf Wiedersehen‘, ‚Prost‘ und ‚Bier‘.
Fun Fact: Mir ist beim Tippen gerade aufgefallen, dass ich das Wort für ‚Bitte‘ nicht kenne. Ich habe also Google bemüht und festgestellt, dass es ‚bitte‘ als Höflichkeitsfloskel, wie in ‚können Sie mir bitte sagen, wo…‚ im Russischen offensichtlich nicht gibt. Das finde ich amüsant und passt zu dem Klischee, dass Russen im Alltag angeblich sehr ruppig und unfreundlich miteinander umgehen (dafür aber wohl privat umso herzlicher). Ich bin gespannt.

Ukraine / Russland gebucht

ich habe heute Abend die Reise komplett gebucht, d.h. sowohl die Flüge, als  auch die Unterkünfte. Die Flugpreise haben sich in den letzten Wochen kaum geändert und sind dermassen günstig, dass ich drauf pfeife, dass ich vielleicht ich ein paar Euros sparen würde, wenn ich noch warten würde. Ich zahle für die vier Flüge gerade mal knapp 280,-€. Meine CO²-Bilanz ist sowieso unter aller Sau.

In Kiew, Moskau und St. Petersburg habe ich nette Hostels gefunden, in Kiew bin ich hier untergebracht, das liegt nahe am Hauptbahnhof, von wo aus mein Chernobyl-Trip startet.

In Moskau bin ich im Simba Hostel, das liegt im Arbat-Viertel im historischen Zentrum. Die geniale Lage hat ihren Preis, das Zimmer kostet für fünf Tage zwar grad mal 108,-€, dafür habe ich aber ein lediglich 7m² großes Zimmer ohne Fenster. Dafür aber mit Hochbett, ich kann mich also wie zuhause fühlen. Bad und Toilette muss ich mir mit anderen Gästen teilen, damit hab ich aber keine Probleme. Die Bewertungen bei booking.com sind ausserdem durchgehend gut.

Bleibt St. Petersburg, das Preisniveau dort ist mit dem in Moskau vergleichbar. Dort bin ich im, Achtung, SuperHostel untergebracht. Das Zimmer ist wie in Moskau winzig und auf ein Fenster und eigene Toilette/Bad muss ich auch dort verzichten, dafür ist die Lage wieder grossartig und der Laden wird von booking.com ausdrücklich empfohlen.

Das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist das Visum für Russland. Ich habe es aufgegeben, das Visum direkt beim Konsulat zu besorgen, der Vorgang ist dermassen kompliziert, dazu muss man sich persönlich vorstellen und die bieten natürlich nur Termine am Vormittag von Werktagen an. Ich werde mich also an eine Agentur wenden, ich habe mir König-Tours rausgesucht, die haben gute Bewertungen bekommen und sind ziemlich günstig, die ganze Aktion wird mich voraussichtlich 85,-€ kosten. Was ich dazu noch brauche sind aktuelle Passfotos, sowie eine ‚Bescheinigung der Rückreisewilligkeit‘. Man hält sich offensichtlich für das Paradies und so muss jeder Reisende nachweisen, dass er beabsichtigt, das Land auch wieder zu verlassen. Dafür reicht es nicht, ein Ausreiseticket vorzuweisen, ich brauche ein Schreiben meines Arbeitgebers, welches meine Position im Unternehmen und mein Gehalt bescheinigt. Das Ganze im Original und auf Geschäftspapier. Unglaublich.

Ich freu mich auf die Reise, nächstes Wochenende werde ich wie jedes Jahr die ITB besuchen und dort hoffentlich jede Menge weitere Infos zu den Städten finden. Ausserdem muss ich mir ja solangsam mal Gedanken machen, was ich im Herbst anstelle.

 

Urlaubspläne 2015

Auch in 2015 werde ich wieder zwei Reisen unternehmen, wie üblich eine im Frühjahr und eine im Herbst. Für Herbst habe ich ein paar Ideen, Kuba oder Japan sind Wunschziele, da ich aber letztes Jahr ziemlich viel Geld ausgegeben habe, wird es diesmal wahrscheinlich was Günstigeres. Kambodscha und/oder Laos sind Optionen, aber das werde ich im Laufe des Sommers entscheiden. Abhängig von meinem Kontostand.

Im Frühjahr wollte ich ursprünglich wieder wandern gehen, ich habe aber was besseres gefunden: Ich habe hier eine 2-Tages-Tour nach Tschernobyl gebucht! Als Kind der 80er habe ich die Reaktorkatastrophe damals bewusst miterlebt, seitdem unzählige Dokus und Berichte darüber gesehen und gelesen und habe schon ewig davon geträumt, mir das alles vor Ort anzuschauen. Der Anbieter scheint seriös, zumindest habe ich nur positive Berichte gefunden und der Preis von 280,-€ erscheint mir auch moderat.

Starten wird der Trip in Kiew und wenn ich dann schonmal in der ehemaligen Sowjetunion bin, kann ich noch zwei weitere Städte mitnehmen, die ich gerne besuchen möchte, nämlich Moskau und St. Petersburg. Die benötigten Flüge sind extrem billig, der Plan ist Berlin-Kiew, Kiew-Moskau, Moskau-St. Petersburg und St. Petersburg-Berlin, was mich insgesamt zum jetzigen Stand gerade mal ca. 250,-€ kosten wird.

Für die Ukraine besteht zwar eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, diese betrifft aber nur die Krim und den Südwesten des Landes. Ich werde mich lediglich im Norden aufhalten, deswegen besteht da keine Gefahr. Sollte sich bis zum Mai diesbezüglich was ändern, werde ich die Reise absagen bzw. ändern, deswegen wird diesmal auch eine Rücktrittsversicherung nötig sein.

Für die Ukraine brauche ich kein Visum, für Russland schon, das stellt aber keine Hürde dar, im Gegensatz zu früheren Zeiten ist keine persönliche Einladung mehr nötig. Ich konnte keine exakten Infos zu dem Preis finden, er wird aber wohl zweistellig sein. Unterkunft und sonstige Aufwände sind in allen drei Städten sehr günstig (wenn man nicht gerade in Luxushotels absteigt), so dass ausser den Flügen und dem Tschernobyl-Trip nicht mehr allzu viele Kosten auf mich zukommen. Das Wetter im Mai ist ok, Durchschnittstemperaturen zwischen 10 und 15° und relativ wenig Regen.

Guter Plan!