Rest in Peace, Lei Jun!

Ich hab es heute erst erfahren, bereits am 06. Mai ist Lei Jun, der Sänger der legendären Pekinger Skinhead-Band MiSanDao im Alter von nur 40 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben. Ich durfte Lei Jun während meines Peking-Aufenthalts im letzten Jahr kennenlernen, als ich sein Restaurant ‚Noodle Inn‘ besuchte.

Ich kann mich noch genau an unsere erste Begegnung erinnern: Lei Jun betrat seinen Laden während ich noch am Essen war, zeigte auf mein Eyehategod-T-Shirt, grinste breit und stellte mir ungefragt erstmal ein Bier vor die Nase, bevor er mich ansprach.  Ich habe dann drei Abende mit ihm in seinem Restaurant verbracht, während derer er mich mit ausgezeichnetem Essen und unzähligen Bieren versorgte und wir jedes Mal bis spät in die Nacht über Punkrock, China und den Rest der Welt philosophierten.

Lei Jun erzählte mir, er habe die Band kürzlich verlassen, um sich auf sein Restaurant zu konzentrieren, welches schon zum Zeitpunkt meines Besuches mehr als nur ein Geheimtip war. Für diesen Sommer hatte er mit seiner Frau eine Europa-Reise geplant, um ihr einige der vielen Städte zu zeigen, in denen er mit MiSanDao gespielt hatte.

Ich hätte mich sehr gefreut, ihn hier in Berlin zu begrüßen und ihm ein Stück der Gastfreundlichkeit zurückzugeben, die er mir entgegengebracht hat. Und mich für die zahllosen Biere, die er mir ausgegeben hat, zu revanchieren. Ich werde jetzt eine Menge davon auf sein Wohl trinken!

 

Nordkorea – Fazit

Ich bin jetzt seit vier Wochen wieder zuhause, seit ich aus Nordkorea raus bin, sind 1,5 Monate vergangen. Zu der Reise selbst hab ich eine Menge geschrieben, ich will aber noch ein paar Dinge festhalten, die ich vor der Reise hier vorsichtshalber nicht geposted habe. Der Reihe nach:

Mein Interesse an dem Land reicht ziemlich weit zurück, die politische Situation war mir schon sehr lange bekannt, ich erinnnere mich daran, dass ich irgendwann Mitte der 90er mal einen eindrucksvollen Bericht gesehen habe. Das war die Zeit der großen Hungersnot, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fielen von heute auf morgen sämtliche Lebensmittel- und Rohstofflieferungen weg und Kim Jong Il war zu stolz, im kapitalistischen Ausland um Hilfe zu bitten. Die direkte Folge waren geschätzt eine Million Hungertote, bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 22 Millionen.

Seit dieser Zeit verfolge ich mehr oder weniger intensiv, was in dem Land vor sich geht, dass man Nordkorea problemlos bereisen kann, ist (zumindest mir) ziemlich neu. Ich habe zum ersten Mal letztes Jahr auf der ITB Näheres erfahren, als ich den NK-Stand besucht habe und obwohl ich mich mit dem Typen dort nicht verständigen konnte, war klar, dass ich das machen will. Die Offenheit des Landes für Touristen schwankt mit der jeweils aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage, zur Zeit sind die Zügel relativ locker, das Regime ist auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen, dewegen war die Gelegenheit günstig.

Bleibt die Frage, ob es moralisch vertretbar ist, eine brutale Militärdiktatur, denn nichts anderes ist Nordkorea, mit einer Reise und damit mit seinem Geld zu unterstützen. Ich habe mit meiner Entscheidung bei sämtlichen Freunden und Bekannten mit wenigen Ausnahmen völliges Unverständnis geerntet, die Reaktionen schwankten zwischen ‚hast Du da keine Angst?‘ und ‚Bist Du irre, das kannst Du doch nicht machen!‘ Mein ehemaliger Arbeitskollege R.H. arbeitet ehrenamtlich bei Amnesty International und ist dort in einer Nordkorea-Gruppe. Er war selbstverständlich nicht begeistert und er war es auch, der mir geraten hat, im Vorfeld der Reise sehr vorsichtig zu sein und z.B. ihn sofort bei Facebook zu defrienden, da man nicht genau weiss, wie weit potentielle Touristen vorher gecheckt werden. Deswegen habe ich vor der Reise meine Bedenken und auch meine Meinung zu Land und System hier nicht geäussert.

Ich war mir selbst alles andere als sicher, ob ich die Reise machen soll, habe dann aber beschlossen, mein Gewissen zu ignorieren. Nach dem was ich dann im Land gesehen und erlebt habe, bin ich jetzt der Meinung, dass meine Entscheidung richtig war. Das hört sich wie eine nachträgliche Rechtfertigung an, ist es aber nicht. Ich bin sogar der Meinung, dass noch viel mehr Touristen aus westlichen Ländern in das Land kommen sollten. Aus einem einfachen Grund: der Erfolg des Regimes gründet sich zu einem nicht zu unterschätzenden Teil auf der Unwissenheit der Bevölkerung. Die Situation in Korea wird zwangsläufig und auch zu Recht mit der Situation des geteilten Deutschland verglichen, es gibt aber dabei einen entscheidenden Unterschied: die Bevölkerung der DDR war jederzeit in der Lage, sich über die Zustände in Westdeutschland und im Rest der Welt zu informieren. Fast jeder konnte Westfernsehen empfangen, viele Menschen hatten Verwandschaft im Westen, zu denen ein gewisser Kontakt möglich war, nach der Lockerung durch Honecker in den 70ern waren auch Besuche möglich. Dadurch wusste der Großteil der Bevölkerung, wo sie im Vergleich zum Westen stand.

In Nordkorea sieht das anders aus, bis auf einen kleinen elitären Teil weiss kaum jemand, wie es im Rest der Welt aussieht. Das ist, zumindest meiner Meinung nach, auch einer der Hauptgründe, wieso sich das Regime mit aller Gewalt gegen jedwede Lockerung sträubt. Deswegen denke ich, dass jeder noch so kleine Kontakt mit ausländischen Touristen dazu beträgt, das Vertrauen der Nordkoreaner in ihre Regierung zu untergraben und sei es nur, dass sich der Tourist an einem Stand einen Apfel kauft und den/die Verkäufer/in anlächelt und ein Trinkgeld gibt. Von Vorteil dabei ist auch, dass wahrscheinlich jeder der das Land bereist, das aus ehrlichem Interesse macht, ansonsten würde er oder sie nämlich niemals soviel Geld ausgeben. Das heisst, die üblichen Touri-Prolls, die man in westlichen Ländern oft genug sieht und die sich überall daneben benehmen, gibt es in Nordkorea nicht. Der böse Westen zeigt sich dadurch in Nordkorea von seiner besten Seite und wenn auch nur eine einzige Person, mit der ich Kontakt hatte, sich jetzt denkt: ’so furchtbar schlimm und böse sind die Kapitalisten ja gar nicht‘, hat sich die Reise gelohnt.

Vor meinem Besuch war ich der Meinung, dass die Teilung ewig fortbestehen würde und ich konnte mir kein Szenario vorstellen, das an dem Status Quo was ändern könnte, jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Neue Technologien wie Smartphones halten Einzug, DVD-Player sind nicht mehr nur den privilegierten Parteigenossen vorbehalten und durch den Handel mit China, auf den das Regime nicht verzichten kann, kommen auch ’normale‘ Bürger in den Besitz von DVDs mit Filmen und Berichten aus dem kapitalistischen Ausland. Das sind alles nur kleine Tropfen, aber ich glaube mittlerweile, dass ich den Zusammenbruch des Regimes noch erleben werde. Was danach kommt steht auf einem anderen Blatt, sollte es tatsächlich zu einer Wiedervereinigung kommen, werden die Probleme bei der Deutschen Vereinigung dagegen ein Witz sein. Trotzdem kann ich allen empfehlen, das Land zu bereisen, es lohnt sich in jedem Fall.

 

Peking 10 – der Rest

Die restlichen Tage fasse ich wieder zusammen, da nichts aussergewöhnliches mehr passiert. Am Mittwoch will ich mir einen Tempel anschauen, den der Lonely Planet als ’sehr düster‘ beschreibt, als ich nach einer kleinen Odyssee dort ankomme, finde ich an dem Ort lediglich ein Folklore-Museum, das ich mir dann aber nicht anschaue. Ansonsten gammele ich nur rum, abends gehe ich zu Cafe Sambal, einem Malayischen Restaurant und esse Beef Rendang, was verdammt lecker ist.

Am nächsten, meinem letzten Tag fahre ich zum Militärmuseum, welches allerdings wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Man darf trotzdem umsonst rein und den Hof betreten, es dauert ewig bis ich drin bin, weil trotz kostenlosem Eintritt die Pässe kontrolliert werden und der Andrang gross ist. Auf dem Hof sind dann jede Menge Penisse ausgestellt und mit Penissen meine ich natürlich Kanonen. Man muss kein Freudianer sein, um die Galerie der Panzer mit ihren hoch aufgereckten Stahlrohren entsprechend zu deuten. Kleine Männer mit kleinem Gemächt brauchen eben grosse Spielzeuge. Das Thema zieht sich irgendwie wie ein roter Faden durch meine Reise, wundert mich bei diesen Zielen aber auch nicht.

Am Abend gehe ich zum letzten Mal zu Noodle Inn, esse wieder mal ausgezeichnet und verabschiede mich von Lei Jun. Die Verabschiedung artet wie zu erwarten war in einem Besäufnis aus, ich falle dann gegen 2:30h ins Bett und muss nach 3 Stunden wieder aufstehen. Das tut weh und nach der kurzen Zeit bin ich auch immer noch nicht nüchtern. Eine kalte Dusche schickt mich auf den Weg.

Ich fahre ein paar Stationen mit der U-Bahn, schaffe es, nicht in die Bahn zu kotzen und steige dann in den Airport-Express, der mich in gut 20 Minuten zum Flughafen bringt. Die Ausreise und auch der Checkin gehen zum Glück recht schnell, nach einer Dreiviertelstunde kann ich dann einsteigen. Ich habe einen genialen Platz reserviert, ich sitze am Fenster in der vordersten Reihe, habe also eine Wand vor mir und dadurch viel Beinfreiheit. Zudem habe ich nur einen Sitznachbarn, einen kleinen dicken Chinesen, der die meiste Zeit schläft und mir nicht auf die Nerven geht. Der Flug wird von Air France durchgeführt, dementsprechend unfreundlich ist das Personal, was mich aber nicht weiter stört. Das Essen ist gut, das Entertainment-Angebot groß, so dass der Flug sehr angenehm verläuft. Da ich ziemlich platt bin, verschlafe ich bestimmt die Hälfte der Zeit und lande dann gegen Nachmittag in Paris. Dort muss ich knapp zwei Stunden warten bevor es weitergeht und um 17:30h lande ich endlich in Tegel.

Diesmal muss ich nicht wie letztes Jahr ein Stunde auf mein Gepäck warten, der TXL-Bus steht schon bereit und gegen 18:30h bin ich zuhause. Das ist eine gute Zeit, denn so kann ich wie an einem normalen Arbeitstag schlafen gehen und bin am nächsten Morgen halbwegs fit. Am Samstag früh beschliesse ich, den Tag auf der Couch vorm Fernseher zu verbringen und so meinen Jetlag zu bekämpfen, nach ca. 10 Minuten gibt mein Fernseher den Geist auf. D’oh!

Peking 9 – Kochkurs

Das Aufstehen fällt mir wie erwartet schwer, ich muss trotzdem halbwegs früh raus, denn um 9:00h treffe ich mich mit den Teilnehmern meiner Markt-Tour. Ich habe die Tour schon von zuhause zusammen mit einem anschliessendem Kochkurs bei ‚The Hutong‚ gebucht. Wir sind zu siebt, zwei Frauen aus England, ein Deutscher, ein Amerikanisches Ehepaar, die Führerin und ich. Mia, so heisst die Dame, führt uns zu einer kleinen Markthalle um die Ecke und stellt uns dort die wichtigsten Zutaten der Chinesischen Küche vor: Gewürze, Essige, Öle, Saucen, Gemüse, Fleisch, Fisch und allerlei anderes Zeug. Die Erklärungen sind sehr gut, die Informationsmenge allerdings zu groß, so dass ich das Meiste schon bald wieder vergessen hab. Ich kaufe ein Glas eines Gewürzmittels, was man angeblich für alles verwenden kann, der Name bedeutet übersetzt soviel wie ‚Old Dry Mum‘.

Danach gehts zu The Hutong zum Kochkurs. Wir sind etwa 12 Personen, seltsamerweise fast ausschliesslich Deutsche. Wir sitzen alle um einen Tisch, jeder hat ein Tablett, ein Messer und ein paar Schalen vor sich, eine mobile Kochstation mit zwei Woks steht dabei. Sophia, unsere Lehrerin, macht das richtig gut, wir lernen erstmal jede Menge Grundlagen, dann schnippeln wir gemeinsam die Zutaten und zum Kochen darf dann jeder mal an den Wok. Zum Schluss essen wir gemeinsam, wir haben einen Salat, pfannengerührte grüne Bohnen und Gung Bao Chicken gekocht, das sind Hähnchenbrust-Stücke mit Lauch und Erdnüssen, wir haben zwei Versionen gemacht, einmal scharf und einmal für Weicheier. Alles schmeckt sehr gut, wir unterhalten uns dann noch lange und zum Abschluss bekommen wir eine kleine Mappe mit den Rezepten.

Den erfolgreichen Tag schliesse ich dann am Abend mit einem weiteren Besuch im Noodle Inn ab und es kommt was kommen muss, ich sitze wieder ewig mit Lei Jun zusammen und werde genötigt jede Menge Bier zu trinken. Er erzählt mir, dass er vor kurzem seine Band verlassen hat, da er demnächst 40 wird und sich jetzt voll seinem Restaurant widmen will. Er ist auf der Suche nach mehr Biersorten für den Laden und fragt mich, ob denn Sternburg in Deutschland ein sehr beliebtes Bier sei. Dass dem nicht so ist und lediglich Punks und Penner das Zeug trinken amüsiert ihn. Er erzählt mir dann, dass er plant, im kommenden Jahr mit seiner Frau einen Europa-Trip zu machen und ihr ein paar der Städte zu zeigen, die er mit der Band betourt hat. Ich gebe ihm meine Email-Adresse, falls er dann auch nach Berlin kommt. Würde mich freuen, ihn hier widerzutreffen.

Peking 8 – Beijing Boot Boy

Auch heute faulenze ich zum größten Teil nur rum, ich merke, dass ich müde bin und mein Kopf voll ist mit Bildern, Geschmäckern, Gerüchen, etc. Ich fahre zwischendurch nur mal zur 77th Street, das ist eine unterirdische Shopping-Mall, die früher mal ein gigantischer Luftschutzbunker war. Bezeichnend für die Entwicklung in China in den letzten Jahrzehnten hat man das Ding in einen Konsumtempel verwandelt. Innen befindet sich auf mehreren Stockwerken ein Labyrinth aus kleinen und größeren Läden, erinnert mich an das MBK-Center in Bangkok, in dem ich letztes Jahr war. Ich beschränke mich aufs Herumlaufen und habe bald genug und fahre zurück.

Zum Abendessen gehe ich dann zu einem Laden namens Noodle Inn, eine Empfehlung vom Lonely Planet und das ist ein Volltreffer. Das sehr kleine Restaurant gehört Lei Jun, dem Sänger der (linken) Skinhead-Band Misandao. Die Wände sind vollgehängt mit LPs und Postern von The Clash, den Adicts, Sex Pistols, die Casualties waren offensichtlich schon zu Gast und haben sich mit Edding auf der Wand verewigt und eine Lederjacke spendiert, Doc Martens-Werbung, usw. Dazu läuft britische ’77 Punk- und Skin-Mucke. Ich fühle mich sofort zuhause und lerne dann auch den Chef kennen. Wir erkennen uns an unseren T-Shirts als Gleichgesinnte und kommen sofort ins Gespräch, Punkrock ist eine internationale Sprache.

Das Essen ist ausgezeichnet, Lei Jun erzählt mir, dass alle Reiseführer seine Nudelkreationen als Fusion-Küche bezeichnen, er aber einfach zusammenmengt, was ihm schmeckt und auf die Karte setzt. Er vertreibt ausserdem eine feine Kollektion an einheimischen und ausländischen Bieren, die er mir begeistert präsentiert. Wir sitzen ewig zusammen und trinken, irgendwann kommt eine ganzkörpertätowierte junge Frau aus Russland namens Anna dazu, die für ihren Reiseblog einen Bericht über den Laden erstellt und wir philosophieren bis spät in die Nacht über Punkrock. Ich freue mich, auch weil Lei Jun der erste Chinese ist, mit dem ich mich überhaupt ordentlich verständigen kann, er spricht nämlich ein recht gutes Englisch.

Als ich irgendwann abgefüllt bin, verabschiede ich mich und verspreche, morgen wiederzukommen. Ich wanke dann Richtung Hostel und gehe unterwegs in eine der unzähligen öffentlichen Toiletten. Die asiatischen Toiletten bestehen ja meistens nur aus einem Loch im Boden, damit habe ich keine Probleme, diesmal gibt es aber weder Trennwände noch Türen und so sehe ich als ich reinkomme zwei Chinesen am Boden kauern, die gerade am kacken sind. Der eine nickt mir noch zu, der andere schaut sich dabei einen Film auf seinem Smartphone an. Sachen gibts.

Peking 7 – Rumgammeln und Nationalmuseum

Die nächsten beiden Tage fasse ich zusammen, ich mache nämlich nicht wirklich viel: Am Samstagmorgen ziehe ich erstmal in mein neues Hostel um. Das hat den gleichen Standard wie das erste, ist aber ein wenig günstiger und liegt mitten in einem coolen Hutong. Das Personal spricht kein Wort Englisch und als ich an der Rezeption fragen will, ob sie einen Wäscheservice haben, öffnet der Angestellte eine Übersetzungs-App auf seinem Smartphone und drückt mir dieses in die Hand. Haben sie nicht, zum Glück habe ich Rei in der Tube dabei und so mache ich nach dem Einchecken erstmal große Wäsche und hänge mein Zimmer mit den nassen Klamotten voll.

Ich gammele dann im Hostel rum und erkunde später die Gegend. Zu meiner grossen Freude ist Great Leap Brewing direkt um die Ecke. Es handelt sich hierbei um eine kleine Brauerei, die vor genau 4 Jahren von einem Amerikaner gegründet wurde und die 20 verschiedene Biersorten vom Fass anbietet. Es gibt einen kleinen Innenhof, wo man schön sitzen kann und praktischerweise befindet sich direkt vor dem Eingang eine öffentliche Toilette.

Damit ist der Tag gelaufen, ich fange bei Sorte Nr. 1 an und arbeite mich bis zum Abend vor bis Nr. 6. Es gibt gut funktionierendes WLan und scharfes Knabberzeug umsonst und das Bier ist zum größten Teil ausgezeichnet, das reicht mir und ich erkläre den Laden zu meinem Wohnzimmer.

Den Sonntagvormittag verbummele ich mit Katerbekämpfung und Lesen, später fahre ich nochmal los und schaue mir das Nationalmuseum am Tiananmen-Platz an. Der Eintritt ist kostenlos, es dauert aber ziemlich lang bis ich drin bin, weil man sich trotzdem ein Ticket holen muss, dabei wird der Pass kontrolliert und beim Eingang werden alle Besucher gründlich gefilzt. Mein Feuerzeug bekomme ich wieder mal abgenommen.

Das Museum ist wie erwartet riesengroß und überfordert mich erstmal ein wenig. Ich habe weder die Zeit noch Lust, mir alles anzuschauen, gehe also selektiv vor. Zuerst schaue ich mir die Abteilung Archäologie/Geschichte an, um das alles richtig wahrzunehmen, bräuchte man schon mindestens einen ganzen Tag. Danach folgt eine Ausstellung von Geschenken, die Mao und seinen Nachfolgern von ausländischen Staatsmännern und -frauen gemacht wurden. Eigentlich ganz lustig, aber die Freundschaftsausstellung in Nordkorea ist der Maßstab und dagegen hat das hier keine Chance. Ich schau mir dann noch eine Sonderausstellung von afrikanischen Holzskulpturen und -masken an, die zu einem großen Teil aus Penissen und Brüsten besteht und stelle danach fest, dass es bereits Abend ist und das Museum demnächst schliesst.

Zu Abend esse ich zur Abwechslung eine Pizza, die ziemlich gut ist, dann noch ein paar Absacker bei Great Leap Brewing und das wars.

Peking 6 – Sommerpalast

Heute steht ein weiteres Highlight an, der Besuch des Sommerpalastes. Zur Geschichte steht genug bei Wikipedia, das ganze war eine Art Sommerfrische für den Kaiser und seinen Hofstaat während der extrem heissen und schwülen Sommermonate in der Stadt. Auch hier ist wahnsinnig viel los, die meisten Besucher beschränken sich jedoch auf den eigentlichen Palast und die nähere Umgebung. Ich marschiere einmal komplett um den See und nach 10 Minuten habe ich erstmal meine Ruhe.

Später komme ich dann zum Palast, wo man mehrere ziemlich steile Treppen hochläuft und dann einen tollen Blick auf den See hat. Der Park mit mehreren berühmten Brücken und der Palast selbst sind sehr schön, allerdings merke ich, dass sich die Architektur sämtlicher historischer Gebäude in der Stadt gleicht, so dass ich oft den Eindruck habe, das alles schon mehrmals gesehen zu haben.

Auf der anderen Seite des Berges geht es wieder runter und ich fahre zurück zum Hostel, setze mich vor die Tür, trinke ein paar Bier und lese. Am Abend kann ich mich dann nochmal aufraffen und fahre nach Dongcheng, das ist die populärste Shopping-Gegend, wo es eine Fußgängerzone gibt, in der sämtliche Luxusmarken vertreten sind und schaue mir das Treiben an. Ausserdem gibt es dort einen Nachtmarkt, eine schmale Strasse, die von Ständen gesäumt ist, an denen es alle möglichen Tiere und Teile von Tieren zum Essen gibt. Die meisten Waren gibts am Spiess, das fängt mit Fleisch und Innereien aller Art an, geht weiter mit Fisch, Tintenfisch, Muscheln und Krebsen und schliesslich auch jeder Menge Maden, Insekten, Skorpione, Tausendfüssler und sonstiges Krabbelgetier. Als Schauspiel interessant, essen möchte ich allerdings nichts. Manches sieht lecker aus, vor allem die Fleisch- und Tintenfisch-Spiesse, aber mir haben die drei Tage in Nordkorea gereicht, ich schone meinen Magen lieber. Leider sind die meisten Fotos verwackelt wie sich später herausstellt, im Dunkeln ist meine Kamera nicht zu gebrauchen.

Ich esse dann bei KFC und fahre zurück, nehme noch ein paar Absacker und falle ins Bett. Vorher kann ich endlich mal wieder duschen, denn ich hab wieder warmes Wasser.

Peking 5 – Verbotene Stadt

Ich wollte eigentlich früh aufstehen, schlafe aber ewig und komme deswegen erst gegen 10h in die Gänge. Heute steht die Verbotene Stadt an, ich fahre also wieder zum Tiananmen-Platz, marschiere durch das Tor des Himmlischen Friedens mit dem berühmten Mao-Portrait und stelle erstmal fest, dass die Hölle los ist. Da heute ein gewöhnlicher Wochentag ist, nehme ich an, dass immer so viel los ist und beschwere mich nicht. Es wird ja überall gerne über die nervigen Touristen gelästert, ich mache das zuhause ja auch, weiss aber schon, dass es eigentlich Blödsinn ist. Touristen sollten überall willkommen sein, da sie schliesslich Kohle ins Land bringen und hier bin ich auch nur einer, der die Einheimischen nervt, weil er ständig stehenbleibt und fotografiert oder auf seine Karte schaut.

Ich bin erstmal etwas wirr, weil ich nicht weiss, wo ich mein Ticket kaufen muss, der Lonely Planet hilft aber und nach ca. 15 Minuten bin ich dann drin. Es gibt eine Menge zu sehen, ich habe ehrlich gesagt keine Lust, alles zu beschreiben. Ich besorge mir einen echt guten Audioguide: das Gerät wird per WLan aktiviert, d.h. ich brauche keinem bestimmten Plan zu folgen, sondern marschiere einfach irgendwo hin und der Audioguide aktiviert sich von selbst und informiert mich in ziemlich wackeligem Deutsch was ich gerade sehe. Ich schalte das Teil dann auf Englisch um und das ist besser.

Die Verbotene Stadt ist bis jetzt das absolute Highlight in Peking, die Anlage ist riesengroß und in jeder Ecke gibt es was zu sehen und zu hören, beeindruckend, ein besseres Wort fällt mir nicht ein. Ein paar Zahlen von Wikipedia: Die Grundfläche beträgt 720.000m², davon sind 150.000m² bebaut, es befinden sich 890 Gebäude mit insgesamt 8.886 Räumen auf der Anlage.

Ich habe mir ja vorgenommen, mich nicht über die Menschenmassen aufzuregen, aber was mir wirklich tierisch auf den Sack geht, ist die Angewohnheit der Chinesen, sich STÄNDIG gegenseitig vor allen möglichen Objekten zu fotografieren. Zu Anfang versuche ich noch, darauf Rücksicht zu nehmen und weiche aus oder bleibe stehen und warte, nach kurzer Zeit ist es mir egal und ich laufe vors Objektiv. Der Fairness halber muss ich aber auch sagen, dass sich niemand deswegen beschwert.

Ich sehe unzählige Paläste, Tempel, Unterkünfte der kaiserlichen Konkubinen, besichtige das Palastmuseum, wo alle möglichen Schätze ausgestellt sind und habe irgendwann nach ca. 5 Stunden genug, weil mein Kopf voll ist.

Danach bin ich auch für den Tag bedient, ich habe keine Lust essen zu gehen und besorge mir in einem Supermarkt Brot, Tomaten und Käse (zu einem horrenden Preis, die meisten Chinesen mögen keinen Käse und sehen das Zeug als ‚verdorbene Milch‘ an). Zusammen mit ein paar Bieren kommt mir das Essen wie ein Festmahl vor. Duschen ist allerdings nicht drin, ich hab kein warmes Wasser.

Peking 4 – Zoo

Der Pekinger Zoo hat nicht den allerbesten Ruf, trotzdem will ich ihn mir anschauen, schon wegen den Großen Pandas, Chinas Wappentier. Die Chinesen sind ja äusserst erfolgreich bei der Zucht dieser bedrohten Tiere und verschenken diese gerne ins Ausland. Im Berliner Zoo lebte bis 2012 Bao Bao, ein Männchen, welches 1980 vom damaligen Regierungschef dem Kanzler Helmut Schmidt zum Geschenk gemacht wurde. Der Zoo selbst ist ziemlich groß und gut organisiert, die Tierhaltung allerdings größtenteils nicht wirklich schön. Ich beschränke mich deswegen auf die Pandas, die für meine Begriffe gut untergebracht sind. Der Rest der Tiere vegetiert mehr oder minder in traurigen Gehegen vor sich hin. Ich habe prinzipiell keine Probleme mit Zoos, sofern die Tiere so artgerecht, wie das in Gefangenschaft eben möglich ist, untergebracht sind und entsprechend betreut und beschäftigt werden. Ein gutes Beispiel ist eben der Berliner Zoo, wie es da aussieht und wie sich um die Tiere gekümmert wird, ist ja aus den Fernsehsendungen hinreichend bekannt. In Peking ist man davon leider noch weit entfernt.

Obwohl ich ja darauf vorbereitet war, verdirbt mir der Besuch etwas die Laune. Ich habe auch keine Lust Bus zu fahren, deswegen verzichte ich auf den Botanischen Garten, den ich mir eigentlich noch anschauen wollte. Ich fahre also zurück und marschiere einmal mehr durch Hutongs und spaziere einmal um den Houhei-See. Die Gegend um die Seen (es gibt noch den Qianhei-, Baihai- und einige andere Seen) dient den Pekingern als eine Art Naherholungsgebiet und ist extrem schön. Dafür dass das alles mitten in der Stadt liegt, ist es sehr ruhig und die Luft ist gut. Irgendwo sehe ich ein Schild ‚German Bakery‘ und stürze sofort rein, leider ist das alles andere als german. Der Laden entpuppt sich als ein (zugegeben hübsches) Cafe, das einzige was ich finde ist ein einsames Heidelbeer-Muffin.

Trotzdem verbringe ich einen schönen Nachmittag, später fahre ich zum Hostel und esse, nach meinem gestrigen Reinfall, bei McDonalds zu abend. Ich gehe ziemlich früh schlafen, ausnahmsweise ohne Bier zu trinken und nehme mir vor, morgen die Verbotene Stadt in Angriff zu nehmen.

Peking 3 – Himmelstempel

Heute bin ich früher auf den Beinen und schaue mir zuerst den Himmelstempel und den zugehörigen Park an. In dem Tempel wurde für eine gute Ernte gebetet, deswegen haben die Gebäude auch so blumige Namen wie ‚Halle des Erntegebetes‘ oder ‚Halle des Himmelsgewölbes‘. Der Park ist ziemlich groß und total schön. Es ist noch früh, die Sonne scheint und überall sind Chinesen beim Frühsport zu sehen: Ein paar Leute machen Tai Chi, viele spielen eine Art Hacky Sack, mit einem Ding, was aussieht wie ein Federball und alle sind extrem geschickt damit. Ich werde von einer Gruppe älterer Damen und Herren zum Mitspielen eingeladen, versage aber komplett und ernte Gelächter. Ein anderer Typ hat eine Handvoll Stoffringe und wirft sie vier Personen zu, die in einem Abstand von vielleicht 10 Metern stehen und die die Ringe mit dem Kopf auffangen. Danach werfen sie die Teile zurück und er fängt sie alle ebenfalls mit dem Kopf auf. Dann gibt es noch verschiedene Musiker und Viele, die ein Brettspiel spielen, scheint so eine Art Mühle zu sein. So verbringe ich den Vormittag und mache dann Station im Hostel.

Später fahre ich mit der U-Bahn zum Olympiagelände, wo das berühmte Stadion steht, welches u.a. von dem Künstler Ai Weiwei entworfen wurde. Das Gelände ist riesig, gefühlt größer als der Tiananmen-Platz und beeindruckt mich auch mehr, vielleicht weil weniger los ist. Neben dem markanten Stadion gibt es noch einige andere Gebäude, darunter das nationale Schwimmzentrum. Das ist bei Tageslicht nicht wirklich eindrucksvoll, ich nehme mir vor, später nochmal im Dunkeln herzukommen, verpeile das allerdings.

China hat damals die kompletten Einrichtungen für die Spiele in Rekordzeit errichtet, es gab, auch wegen der Vergabe an China überhaupt, jede Menge Kritik. Heute stehen die Gebäude zum größten Teil leer und werden nicht genutzt, das Stadion wurde seit dem Ende der Spiele angeblich nur ein einziges Mal für eine Veranstaltung genutzt. Der Unterhalt ist zu teuer, so dass vieles schon langsam anfängt zu verfallen und man verzweifelt Sponsoren sucht. Trotzdem ist die Anlage schön anzusehen, während meines Aufenthaltes fahren die Teilnehmer eines Radrennens vorbei, weswegen an der Strasse jede Menge begeisterte Zuschauer stehen.

Auf dem Weg zurück mache ich am Lama-Tempel Yonghe Station. Die Anlage ist ziemlich cool, sie besteht aus fünf nacheinander angeordneten Hallen, jede größer als die vorhergehende, in der letzten Halle steht die weltgrößte hölzerne Buddha-Statue, die 26m hoch ist und aus einem einzigen Sandelholzbaum geschnitzt ist. Natürlich darf man in den Hallen mal wieder nicht fotografieren.

Damit habe ich genug für heute und ich beschliesse auch, ab morgen etwas langsamer zu machen, ich habe ja noch 9 komplette Tage, da muss ich nicht hetzen. Ich fahre also zurück und gehe zum Essen in ein kleines Restaurant um die Ecke, wo mich das Essen einmal mehr enttäuscht. Die Gewürze und der Schärfegrad der Gerichte, die ich während der gesamten Zeit hier esse sind eigentlich ok, aber zum einen ist alles extrem fettig gekocht und zum anderen mögen die Chinesen ihr Fleisch offensichtlich gerne schlabberig. Selbst die frittierten Sachen sind zwar aussen knusprig, aber innen trotzdem glibberig. Und wenn ich das Fleisch weglasse, schaffen sie es, auch das Gemüse glibberig und schleimig zu bekommen. Mit der entsprechenden Menge Bier bekomme ich aber alles runter.