Mahane Yehuda Markt

Der Mahane Yehuda Markt ist noch besser als der Karmel-Markt in Tel Aviv. Es riecht an jeder Ecke anders und besser und ich weiss gar nicht, wo ich überall hinschauen soll. Ich futtere mich durch diverse Stände, Oliven in zig Variationen, jüdische Backwaren, Knabbereien aller Art, frisch gepresster Granatapfelsaft, ich bin so voll dass ich für den Rest des Tages nichts mehr esse.

Yad Vashem Holocaust Museum

Heute lasse ich es etwas langsamer angehen und fahre erstmal mit der Tram auf den Mount Herzl, dort ist die Luft um einiges besser als unten in der Stadt, wo schon morgens um 9:00h abartige Temperaturen herrschen.
Herzls Grab schaue ich mir nicht an, dafür aber Yad Vashem, die Holocaust-Gedenkstätte. Ich bin begeistert, anhand unzähliger Bilder, Objekte und Videointerviews mit Zeitzeugen wird die Geschichte der Judenverfolgung vom Mittelalter bis zum Holocaust und die Gründung des Staates Israel nachgezeichnet.

Das ist natürlich zum größten Teil ziemlich harter Stoff, weswegen der Besuch erst ab einem Alter von 12 Jahren erlaubt ist, aber sehr informativ und richtig toll gemacht. Erinnert an das jüdische Museum in Berlin.

Leider darf man im Innenbereich nicht fotografieren, ein paar heimliche Aufnahmen mache ich trotzdem.

Jerusalem Altstadt I

Der Verkehr in Tel Aviv war ja schon nicht ohne, aber Jerusalem ist die Hölle. Ich komme gut rein, die Richtung stimmt, aber für die letzten 3 Kilometer bis zum Hostel brauche ich über eine Stunde.

Ich mache mich trotzdem sofort nachdem ich eingecheckt habe auf den Weg in die Altstadt. Ich gehe durchs Jaffa-Tor rein und verlaufe mich binnen weniger Minuten. Das Labyrinth aus engen Gassen, kreuz und quer, hoch und runter ist noch krasser als ich es mir vorgestellt habe. Überall wird man angequatscht, ich falle auf einen alten Araber herein, der mir ungefragt das Grab König Davids zeigt und mir dafür 20 Schekel abknöpft…

Plötzlich biege ich um die Ecke, gehe durch einen Sicherheitsscanner und stehe auf dem Platz vor der Klagemauer, irre.

Damit lasse ich es auch gut sein für heute. Dummerweise habe ich mir auf dem Hinweg weder die Nummer der Buslinie, die ich genommen habe, noch den Namen der Haltestelle an der ich eingestiegen bin, gemerkt. Also marschiere ich den kompletten Weg zurück, schlappe 2,5 Kilometer. Gute Nacht!

 

Gan HaSchloscha

Der Ort mit diesem lustigen Namen ist ein Naturpark und ist laut Time Magazine nicht nur der schönste Ort in Israel, sondern gehört auch zu den ’20 Orten weltweit, für die sich ein Umweg lohnt‘.
Da haben sie nicht zuviel versprochen. Das ganze entpuppt sich als eine Art riesiges natürliches Freibad. Verschiedene, teils durch warme Quellen aufgeheizte Becken, die durch Wasserläufe und Wasserfälle verbunden sind und überall darf man schwimmen. Nachdem ich heute früh mit einem leichten Kater aufgewacht bin, ist das jetzt genau das richtige.

Das Wasser ist klar, angenehm warm und voller Fische. Das ist so genial hier, dass ich keine Worte finde. Ich probiere alle Becken aus, in einem lebt eine Fischart, die wohl von menschlicher Hornhaut lebt. Sobald ich die Füße länger als 2 Sekunden still halte, stürzt sich sofort ein Schwarm Fische drauf und fängt an zu knabbern. Kitzelt abartig.

Nach 4 Stunden mache ich mich widerwillig auf den Weg. Ich weiss nicht genau, wie lange ich bis nach Jerusalem brauche und man hat mich gebeten, vor 18:00h im Hostel einzuchecken.

Wer nach Israel fährt MUSS nach Gan HaSchloscha und bringt am besten einen ganzen Tag dafür mit. Idealerweise unter der Woche, denn am Wochenende wird es wohl sehr voll.

Der Jordan

Auf dem Weg nach Süden überquere ich den Jordan und ich kann es mir nicht verkneifen, anzuhalten und einmal zu Fuß über den Jordan zu gehen. dabei fällt mir auf, dass der Fluss eher ein armseliges Rinnsal ist.

Das hat einen Grund: Israel deckt seinen enormen Wasserbedarf zum größten Teil aus dem Oberlauf des Jordan. Deswegen ist das was unten am See Genezareth wieder rauskommt eher ein Flüsschen. Das hat wiederum zur Folge, dass das Tote Meer jedes Jahr um einige Meter schrumpft weil mehr Wasser verdunstet als nachfliesst. Deswegen wird das Wasser dort auch jedes Jahr noch salziger als es ohnehin schon ist.

Nebenbei ist man in Jordanien wenig begeistert, dass der Nachbar einem sprichwörtlich das Wasser abgräbt.  Von Syrien ganz zu schweigen.

Tiberias

In Tiberias finde ich ein erstaunlich günstiges Hotel, dank Empfehlung des Lonely Planet. Die Stadt liegt am See Genezareth, den JC angeblich mal zu Fuß überquert hat. Oder so ähnlich.
Obwohl die Stadt ein beliebtes Ferienziel der Israelis und dementsprechend voll ist, gefällt es mir hier ausgesprochen gut. Ich kaufe mir ein Bier, setze mich mit meinem Buch an die Hafenpromenade, lese und sehe ein Szene, die glaube ich bezeichnend für das Land ist: eine junge Familie mit drei Kindern spaziert vorbei. Das kleinste der Kinder, vielleicht 3 Jahre alt, trägt eine Plastik-Maschinenpistole mit sich, auf Knopfdruck blinkt das Ding, macht ‚ratata‘ und der Lauf bewegt sich vor und zurück. Der (oder die) Kleine schiesst damit auf Passanten und die Eltern kriegen sich gar nicht mehr ein vor Entzücken. Das ist so widerlich, dass ich nicht weiss ob ich weinen oder kotzen soll. Ich entscheide mich dafür, noch ein Bier zu trinken.

 

Mount Hermon

Nach der Banyas – Tour will ich einen ziemlich coolen Cache suchen, der sich auf dem Gelände eines verlassenen Zoos befinden soll, scheitere aber, weil ich es nicht schaffe, auch nur in die Nähe zu kommen, da hier im Grenzgebiet zu Syrien jede menge Minen rumliegen. Gefährlich ist das nicht, die zu meidenden Gebiete sind eingezäunt und beschildert, ein seltsames Gefühl ist es aber trotzdem.

Ich beschließe, zum Mount Hermon zu fahren, zumindest zu dem Teil, der auf israelischen Staatsgebiet liegt. Ich komme hoch bis auf knapp 1.600 Meter, dann ist Schluss. Die Straße geht noch weiter, darf aber nur vom Militär befahren werden. Der Berg ist Skigebiet und auf den höchsten israelischen Punkt führt ein Skilift, der allerdings außer Betrieb ist. Was auch gut ist, denn ich hätte mich wahrscheinlich sowieso nicht getraut, mit diesem wackeligen Ding hochzufahren.

Oben unterhalte ich mich mit ein paar jungen Soldaten, die total glücklich sind, auf dem Berg stationiert zu sein, weil dort oben die Temperaturen erträglich sind.
Heute Mittag habe ich einen Trupp Soldaten (und Soldatinnen) gesehen, die bei geschätzten 40° in der Sonne mit voller Montur, MP auf dem Rücken, jeder eine israelische Flagge in der Hand, einen Dauerlauf entlang der Straße machen mussten. Bezeichnenderweise fuhr der Ambulanzwagen gleich hinterher.

Ich mache mich auf nach Tiberias und überfahre auf dem Weg nach unten eine riesige Eidechse. Ich hoffe sie hinterlässt keine Familie.

Banyas – Naturpark

Um 6:30h aufzustehen macht keinen Spass, schon gar nicht wenn man im Urlaub ist und in einem nicht klimatisierten Zimmer schläft, das zwar ein Fenster besitzt, man dieses aber nicht öffnen kann, weil man sonst von Moskitos gefressen wird.

Ich quäle mich trotzdem auf, was sich später noch als eine gute Entscheidung erweisen wird. Ich fahre also Richtung Norden, in das israelische Dreiländereck mit Grenzen zu Syrien und dem Libanon. Dort befindet sich der kleine Naturpark, der mit dem ‚Most Beautiful Trail in Israel‘ wirbt. Letzten Endes stellt sich das ganze als eine kleine Wanderung (oder ausgedehnten Spaziergang) heraus, die dem Verlauf des Flusses Banyas (einer der drei Quellflüsse des Jordan) von den Quellen bis zu einem einigermassen spektakulären Wasserfall folgt.

Das ganze ist schön und macht Spass, aber wenn das die schönste Wanderung Israels sein soll, möchte ich die weniger schönen nicht sehen. Unterwegs sehe ich ein Familie seltsamer (Nage?)Tiere, die in etwa wie eine Kreuzung aus Opossum und Murmeltier aussehen und faul auf einem Felsen rumliegen, diverse Schlangen, die allerdings zu schnell verschwunden sind, um sie zu fotografieren (sorry, Carsten) und eine fette Eidechse oder sowas ähnliches.

Auf dem Rückweg bin ich dann froh, dass ich so früh aufgestanden bin, denn es kommen mir Scharen von Touristen entgegen, so dass ich an einigen Stellen Minuten warten muss, bis der jeweilige Pulk vorbei ist.

 

Akko

Die Altstadt von Akko entschädigt mich für die leichte Enttäuschung in Haifa. Die Kreuzfahrerstadt bietet ein Labyrinth aus jeder Menge enger, zum Teil übermauerter Gassen, die ausschließlich in arabisch beschriftet sind. Ich verirre mich ständig und komme dann irgendwo raus wo ich schon dreimal war. Großartig. Und überall Hinweise auf Kreuzritter, Templer, etc. Ein Fest für jeden Dan Brown Fan. Der ich nicht unbedingt bin. Trotzdem, Akko ist bis jetzt das Highlight.

 

Mittlerweile bin ich bei meinem Gastgeber Yo’Av angekommen. Yo’Av lebt in einem Kibbuz, was in diesem Fall ein mehrstöckiges Mietshaus ist, in dem diverse WGs untergebracht sind. Yo’Av hat sein eigenes Zimmer, welches er mir freundlicherweise gleich ganz überlässt. Seine Freundin wohnt ein Stockwerk tiefer, dorthin zieht er für die Nacht um.
Yo’Av ist ein sehr umgänglicher Typ, er meinte nur fühl Dich wie zuhause, alles kein Problem. Sehr sympathisch!

Haifa

Haifa und der Sabbat machen es mir schwer. Die Hauptattraktion, die Bahai Gardens, sind geschlossen. Und das obwohl die Religion der Baha’i überhaupt nichts mit dem Judentum zu tun hat, sondern ein Ableger des Islam ist (aber vom ‚wahren‘ Islam nicht toleriert wird).

Eine weitere kleine Attraktion ist wegen des Sabbat geschlossen. Die Karmelit-Bahn ist eine der kleinsten U-Bahn-Systeme der Welt mit genau einer Strecke und ganzen 5 Stationen. Niedlich.

Die Stadt selbst ist schön, zumindest zum Teil. Um den Carmelberg gelegen werden die Häuser immer größer und die Autos immer fetter, je höher man kommt. Der Lonely Planet sagt, Haifa sei die Stadt in Israel, in der Juden und Araber am friedlichsten zusammenleben. Das mag sein, aber was auffällt ist, dass in den weniger schicken Gegenden (also z.B. da wo mein Hotel ist), fast nur Araber leben und die Gegend um den Carmel dagegen fest in jüdischer Hand ist. Und, das war übrigens bis jetzt überall so, die Leute die die Parks säubern, den Müll entsorgen etc. sind fast ausnahmslos schwarz.

Ich schau mir jetzt noch den Hafen an und fahr dann weiter nach Akko. Heute werde ich dort in einem Kibbuz übernachten, wo Yo’av, mein Couchsurfing-Host lebt. Den treffe ich erst heute abend um 21h weil er den Tag über irgendwo wandern ist. Ich bin gespannt.